Rheinische Küche

Interessant wird’s, wenn der Engländer des Deutschen Küche kritisiert, et vice versa (die niederländische, als beider Küchen Bindemittel, sei an dieser Stelle schweigend übergangen). Hood läßt eine Dame seiner ewig maulend-kränkelnden Rheinreisegesellschaft ein Kölner Hoteldinner beschreiben, dessen Glocke die ganze Stadt herbeizurufen scheint, um schließlich 50 illustre Gäste an einer Tafel zu versammeln, mit dem Hoteldirektor am Kopfende. Der erste Gang besteht aus Reissuppe mit fadem Rind und erinnert die Dame sowohl an heimatliche Gerstengrütze, als auch an einst patentes britisches Brot „aus dem man neuerdings Kraft und Geist komplett ausgesogen und nichts als den Kadaver eines Laibes belassen hat“. Allein die Geschicklichkeit der Kellner ist bewunderswert: einer von ihnen bringt Stapel leerer Teller, indem er sie zwischen den einzelnen Fingern festhält und wie Spielkarten austeilt. Zu beklagen wiederum: die Gerichte sind eiskalt, sie werden zunächst kurz am Tisch präsentiert, um dann zurückgenommen zu werden und den letzten Schliff zu erhalten, all das zudem in überraschender Speisefolge – völlig anders als daheim. Nach der Suppe gibt’s einen Riesenteller Spargel, mit einer Soße aus öliger Butter und hartgekochten Eiern. Drauf einen Kapaun mit Salat, darauf einen süßen Pudding, gefolgt von Sauerkraut. Der nächste Gang besteht aus winzigen, wachsigen Kartöffelchen, begleitet von einem unbekannten, übelriechenden Gemüse in brauner Soße, das an „in Teer geschmorte Seemannsfinger“ erinnert. Weiter geht’s mit Lachs und Flußbarsch, in Aspik, betont kalt, und schließlich einem soliden Stück Kalbsbraten: „Ich habe die Mahlzeit vom falschen Ende her begonnen und fürchte, um sie sauber zu verdauen, muß ich mich in den Kopfstand begeben.“ Als absolute Novität stellt sich für die Dame ein Gericht dar, das zunächst „wie eine in Essig eingelegte Walnuß“ wirkt, sich dann aber als derart süß entpuppt „daß ich es vor lauter Überraschung blitzschnell wieder auf den Teller zurückgelegt habe“. Zum Abschluß folgt ein weiteres zweifelhaftes Objekt, das nach süß eingemachter Pflaume aussieht, sich aber als sauer eingelegte Weintraube erweist. Heuer allenthalben rund um den Dom gebotene Spezialitäten wie Himmel un Ääd oder Rheinischer Sauerbraten vum Päd scheinen ergo nicht (unbedingt) auf der durchaus fantasievollen Menuefolge, zu der das im Hintergrund der Kritik stets präsente britische Pendant bis auf die abschließende Gerstengrütze leider ohne konkretes Beispiel bleibt.


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