Fischmenschmischwesen und Musik

Die Hoodsche Schiffsgesellschaft in Up the Rhine entpuppt sich als ein skurriler Haufen, der sich gegenseitig teils bis aufs Äußerste abhold doch wie selbstverständlich im Vernichten fremdländischer Sitten und Gebräuche, hier: Holland, überbietet, das den rheinfahrenden Briten in diesem von lockerer Lyrik unterbrochenem Briefroman viel zu sehr unter Wasser steht. „Nimeguen is as nigh to heaven as Beckenham in Kent; and a thousand miles north or south, east or west, make no odds in our journey to a world that has neither latitude nor longitude. Now I am here, I am not sorry to have had a peep at such a country as Holland; but being described by so many better hands, in books of travels, besides pictures, I need not enlarge. If you only fancy the very worst country for hunting in the whole world, except for otter-dogs, you will have it exactly. Every highway is a canal; and as for lanes and bridle-roads, they are nothing but ditches. By consequence, the lives of the natives are spent between keeping out water and letting in liquor, such as schiedam, aniseed, curacoa, and the like; for, except for the damming they would be drowned like so many rats, and without the dramming, they would be martyrs to ague and rheumatics, and the marsh fever. Frank says, the Hollanders are such a cold-blooded people, that nothing but their ardent spirits keeps them from breeding back into fishes; be that as it may, I have certainly seen a Dutch youngster, no bigger than your own little Peter, junior, toss off his glas of schnapps, as they call it, as if it was to save him from turning into a sprat.“ Immer wieder diese Ansätze von Fischmenschmischwesen, bei den alten Sumerern, Akkadern, Chaldäern, in afrikanischen Buschmythen und neuzeitlichen Mangas und nun auch bei den Niederländern der Spätromantik, aus Sicht der verantwortlichen Briten. Es muß mit der Sehnsucht nach dem Davontreiben zu schaffen haben, mit der Sehnsucht nach der Einheit mit den Elementen, vielleicht auch der Sehnsucht nach Verschwommenheit und Stille, welche letztere in der Moderne nurmehr vorübergehend und in Absolutheit eigentlich überhaupt nicht zu haben ist. Mag daran liegen, daß sich das Dröhnen der Geschichte der Natur überlagert hat, ich kann nur jedem raten, sich die Geräusche des Rheins einmal vom Drachenfels aus anzuhören, es ist das Röhren der Zivilisation, dem ein wunderbares Panoramafoto mit kleinen Schönheitsfehlern vorgeschoben die Welt wie auf einer Fotoshopvorlage zusammenfaßt: die Ebenen der einzelnen Epochen werden einfach geschichtet und verschmolzen, das aus ihren Zwischenräumen gequetschte Dröhnen sammelt sich in geografischen und sonstigen Kuhlen und wummert dort vor sich hin. Manchmal kommt dabei eine fantastische Musik heraus, wie gestern, als ich zufällig die Deutzer Brücke als Quelle einer tranceartig ächzenden Tonfolge ausmachte, fünf, sechs weitere Flaneure hatten es auch bemerkt, sonst niemand, und nach einigen Minuten brach sie wieder ab, eine tödlich schöne Musik, für einige Herzschläge aus dem allgemeinen Dröhnen geschält. Da wären wir bei lebenden (musikalischen) Brücken, ein wieder anderes Thema.


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