Das Monster vom Oberrhein

(Dieser Text ist freigegeben für LeserInnen ab 18 Jahren.) Am Oberrhein bedroht seit geschätzten 15 Jahren ein fürchterliches Monster die heimische Grundnahrungskette: Rana catesbeiana, vulgo: der Ochsenfrosch. Und wie in den besten Krimis verhindert unsere freiheitlich-demokratische Gesetzgebung den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln bei der Verbrechensbekämpfung: die legale Jagd auf das Froschmonster findet nicht mehr, wie bei dessen erster Invasion im Jahre 1934, mit breitstreuendem und finalem Schrot, sondern nurmehr mit Ferngläsern („Laich ausmachen“), Taschenlampen („Blenden und abgreifen“) sowie Elektrokeschern („Paralysieren und mulmiges Erwachen bescheren“) statt. Die Gefangenen werden hernach, lautet es aus düsteren Quellen, entweder für typisch menschliche Experimente bereitgehalten oder chloroformiert. Gerüchte über illegale Ochsenfrosch-Bogenjagden in den Rheinauen kursieren halbbestätigt und bis dato fernab des Internets. Das eigentlich Monströse des Delinquenten manifestiert sich sowohl in seiner Rücksichtslosig-, als auch in seiner Janusköpfigkeit. Der Ochsenfrosch gilt als ebenso gefräßig wie (gehäutet) eßbar. Ein einziger Schenkel reiche zur Sättigung aus, schreiben diverse Quellen voneinander ab. Einheimische Tiere vermieden den (ungehäuteten) Invasor, nicht aber umgekehrt. Der Ochsenfrosch, heißt es dort weiter, einverleibt sich so ziemlich alles, was durch sein Maul paßt, und greift darüberhinaus wahllos an, selbst Menschen, sogar Katzen. Einzig beim Kampf mit dem Eisvogel unterliegen beide Kontrahenten, ein gutes Beispiel für natürlichen Wahn: zwar gelingt es dem Ochsenfrosch, den schillerndsten unserer Vögel zu bejagen und verschlingen, die postmortale Rache des Eisvogels besteht darin, mit seinem spitzen Schnabel dem Monster von innen den Bauch aufzuschlitzen. Dieser Tage beginnt erneut die Laichzeit und der Kampf des Oberrheiners mit dem Ochsenfrosch geht in die nächste Runde. Die Kaulquappen des letzteren sollen Längen von rund 15 cm erreichen. Stellen Sie sich das mal vor! Die Bevölkerung ist aufgerufen, den häßlichen amerikanischen Invasor zu melden. Wichtige erkennungsdienstliche Hinweise bietet eine Website unserer ochsenfroschkampferfahrenen französischen Alliierten: grenouilletareau.net. Dort finden sich schockierende Klangbeispiele vom Solo- und Chorgesang des Froschmonsters, ob markantes Blöken, Blörpen und Stiergebrüll imitierend oder beim seltenen, spitzen Gepiepse kurz vorm ins Wasser hüpfen. Hoppstop Ochsenfrosch!


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Ein Kommentar zu “Das Monster vom Oberrhein”

  1. Bjoern
    31. März 2009 um 20:38

    Habe einige gute Freunde an den Ochsenfrosch (wir nennen ihn hier ‘Blutmaul’) verloren. Als wir noch Kinder waren, wussten wir uns bei Angriffen nicht zu helfen. Es ist schrecklich, daß ich hier daran erinnert werde.

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