Augst

Einst bedeutende Römersiedlung am Rhein und vorgeblich der (ab 1582) erste archäologische Ausgrabungsort nördlich der Alpen war Augusta Raurica. Seit 130 Jahren wird dort regelmäßig gegraben, ein kompletter Rheinhafen steht noch zur Suche ausgeschrieben. Plinius der Ältere berichtet laut Historischem Lexikon der Schweiz im Zusammenhang mit Augusta Raurica von Kirschen vom Rheinufer und Varro über Vorder- und Hinterschinken-, Wurst- und Speckimporte aus Gallien. Was es heute bedeutet, Fleischeinkäufe im Schweizer Grenzverkehr mitzunehmen, und sei es nur durch den Korridor zur deutschen Exklave Büsingen, erklären einem Schweizer Zöllner gern detailliert anhand ausgeklügelter Fleischproperson-Diagramme und Bußgeldlisten. Über aktuelle Einfuhrbeschränkungen für Kirschen ist mir hingegen nichts bekannt. Ein wunderbarer Eintrag über den 1961 „entdeckten“, besser gesagt: freigelegten Silberschatz von Kaiseraugst findet sich derzeit bei Wikipedia: „Im Winter 1961 stiess ein Baggerführer bei Bauarbeiten für einen Sportplatz auf eine ‚Blechscheibe’, die er für ein weggeworfenes Rasierschaumbecken hielt. Kurz danach begann es zu schneien und der offen daliegende Fund wurde mit Schnee zugedeckt. Einen Monat später fand hier ein spielender Schüler ein gutes Dutzend scheibenähnlicher Gegenstände. Er nahm ein Exemplar mit und zeigte es seinem Lehrer, der ihm jedoch riet, das Ding wegzuwerfen. Was der Bub daraufhin wegwarf, war das Ariadnetablett, eines der Prunkstücke des Schatzes. Wenig später sah sich eine Familie auf dem Bauplatz um. Der Vater fand ein verbeultes Stück Blech, das er abrieb und mitnahm, denn die Zeichnung in der Mitte gefiel ihm. Es war die Achilles-Platte, das mittlerweile bekannteste Stück der Sammlung. Marie Schmid-Leuenberger, Wirtin des nahe gelegenen Gasthofes ‚Löwen’, beobachtete den Vorfall und notierte sich die Autonummern. Neugierig geworden, besuchte sie ihrerseits den Bauplatz und wurde ebenfalls fündig. Sie fand fünf Platten, nahm sie mit und wusch sie gründlich.“ Ebenfalls eine schöne Augster Begebenheit, und wer weiß, ob hierin nicht eine direkte Verbindung zum erwähnten Schatzfund besteht ((nur daß die bei Dielhelm erwähnte Dame mittlerweile wohl erlöst oder skelettiert (oder beides) sein dürfte)) kennt der selten um eine gute Story verlegene Rheinische Antiquarius: „Die dasigen Einwohner tragen sich mit einer lächerlichen Fabel, indem sie eine Gruft zeigen und davon vorgeben, daß sich darinnen ein unterirrdisches Frauenzimmer oder vielmehr eine verfluchte und verwünschte Jungfrau in einem wohlerbauten Pallast, wobey ein schöner Garten befindlich sey, aufhalte. Es habe dieselbe im Jahr 1520. ein Schneider namens Lienardus oder Leonhardus, der unverhoft in die Höhle gekommen, gesehen, und sey von derselben mit allerhand guldenen und silbernen Münzen beschenket worden. Sie soll schön vom Leibe, mit gekröntem Haupt und fliegenden Haaren, unter dem Nabel aber als eine abscheuliche Schlange anzusehen seyn. Oberwehnten Schneider habe sie damals zuverstehen gegeben, daß ihre endliche Erlösung durch einen dreyfachen Kuß eines reinen und unbeflekten Jünglings geschehen müsse.“


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