Karlsruhe

Auch meine erst im Jahr 1715 gegründete Heimatstadt Karlsruhe, ein fächerförmiges, daher in sämtlichen Schulatlanten vermerktes Stadtplanungsprojekt des Markgrafen Karl-Wilhelm von Durlach (ein heutiger Vorort Karlsruhes) findet im Rheinischen Antiquarius, mit seinen rund 1000 begeisternden, spätbarocken, voller Überraschungen steckender Seiten, Erwähnung: „Eine Stunde von Durlach liegt Carlsruhe eine ganz neu und sehr regelmässig angelegte Stadt, Residenz und Lustschloß an der mühlberger Allee, mitten in dem grossen Haardwald (Das Wort Hard oder, wie es nach der Mundart und Aussprache muß geschrieben werden Haard, bedeutet eigentlich einen großen Strich Holz oder Waldung und zwar von Harz= oder Tannenholz) (…) Den 28. Jan. 1715. wurde allda der Anfang zu bauen gemacht, der Platz ausgesteckt und darauf den 17. Jun. von dem damals regirenden Marggrafen Carl Wilhelm zu Baaden und Hochberg der Grundstein selbst gelegt, zu welcher Zeit er zugleich den Orden der Treue oder des Friedens aufrichtete, wie auch den Riß von der Stadt und Schloß selbst verfertigte. (…) Der Garten vor dem Schloß ist klein aber artig, und zählt man darinnen an Pomeranzen Citronen= Lorbeer= und dergleichen Bäumen über viertausend Stük, worunter zweytausend siebenhundert Orangebäumen sind, deren die schönsten an Höhe zwar die ludwigsburger übertreffen, an der Dicke aber selbigen bey weiten nicht gleich kommen. In etlichen Vertiefungen des Gartens hat man von kleinen Citronenbäumen artige freye Espaliers angelegt nebst einem Vogelhause für dreyhundert Canarienvögel, welche des Sommers im Garten herumflogen und freywillig wieder in ihre Behausung kamen; Allein im Winter des Jahrs 1728. wurde beym Einheitzen des Ofens etwas versehen. Denn das Feuer ergrif ein Stük Holz, so in der Stube befindlich war, daß also die Vögel vom Dampf erstikten, ehe man sie retten konte. (…) Der vornehmste Fehler von Carlsruh bestehet in den Mangel des Wassers. Wie denn die ganze Gegend eine sandigte Ebene ist, in welcher des Sommers wegen des vielen Sandes übel zufahren ist. Die wenigen Wasserkünste im dasigen Garten werden vermittelst Pumpen von Leuten gezogen.“ Knapp dreihundert Jahre später kenne ich nur wenige Städte, die ähnlich viele Brunnen und Fontänen betreiben wie Karlsruhe. Wasserplätschern scheint in der Innenstadt allgegenwärtig. Wegen der Kanarienvögel wird mir aber heut noch schwer ums Herz.


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6 Kommentare zu “Karlsruhe”

  1. Matthias Kehle
    19. März 2009 um 10:07

    Ja, Karlsruhe, lieber Stan, ist eine wunderschöne und grüne Stadt. Wenn ich aus dem Fenster auf der Nordseite sehe, blicke ich in den Stadtgarten, auf der Südseite bis tief in den Schwarzwald. Vor meinem Schreibtisch steht eine riesige Fichte, ich kann den Eichhörnchen zusehen und den Amseln zuhören. Und im Schlosspark spielen die hübschen Mädchen Frisbee. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Lesung am 23. April im Literaturhaus Karlsruhe. Dort gibt es gleich zwei Brunnen.

  2. Anonymous
    19. März 2009 um 14:21

    und sie haben eine gute 2 Liga Mannschaft

  3. stan lafleur
    19. März 2009 um 15:11

    Noch ist der KSC, der hier offenbar gemeint sein soll, nicht abgestiegen, befindet sich jedoch auf dem besten Weg dahin. Der Badener ist eben bodenständig. Die höchsten Gipfel sind immer mal wieder nettes Ziel für einen Ausflug, auf Dauer bleiben sie suspekt. Möglicherweise auch wegen des Gesocks, das sich gern in Spitzenbereichen umtreibt. Gesetztes Mittelmaß taugt vorzüglich als Lebensart. Und die saisonale Sicherungsmethode auf dem Weg nach unten, ein Null-Tore-Sturm, ist billig und gleichzeitig hocheffizient. Das kriegt man auch nicht überall geboten: institutionalisierte Verzweiflung vor dem gegnerischen Tor. Das ist ebenso ein tieferes Studium wert wie die Karlsruher Fußballgeschichte an sich, deren frühe Jahre wesentliche Schnittmengen mit der gesamten deutschen und deren etwas spätere Jahre historische Exempel für die Werdegänge exzellenter jüdischer Spieler, und das jahrzehntelang darüber gebreitete Schweigen, aufweisen.

  4. Matthias Kehle
    29. März 2009 um 12:45

    Lieber Stan, ich glaube, und es ist mir eigentlich völlig wurscht, d.h. es könnte mir wurscht sein, dass der KSC gleich nach unten durchgereicht wird. Ich bin froh um jedes verlorene Spiel. Vielleicht wird dann dieses riesige Scheißstadion nicht neben Mann-Mobilia gebaut und noch mehr Fläche versiegelt. Sonst muss ich wieder nach Ettlingen ziehen wegen der schlechten Luft und der erwiesenen Dummheit der Lokalpolitik (ich hab’s aufgegeben Leserbriefe zu schreiben). Außerdem trägt der KSC zum schlechten Image der Stadt bei, vor allem, wenn die randalierenden Prölls auf die randalierenden Prölls aus Stuttgart treffen. Falls der KSC absteigen sollte, bliebe uns das künftig erspart. Täte dem Image der Stadt gut.

  5. Anonymous
    29. März 2009 um 15:35

    Der Pröll spielt doch bei der Eintracht :-)

  6. Blitzschwaub
    24. Januar 2014 um 12:42

    “Von Carlsruh sind wir gestern früh ab. Die Langeweile hat sich von Stund zu Stund verstärckt.” (Goethe an Charlotte von Stein bereits im Dezember 1779)

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