Amsterdam

Das Wetter ist sonnig, in etwa halb und halb, also pack ich den digitalen Antiquarius (s. letzter Beitrag) untern Arm, wo er seine mikrosanften Fenster öffnet und mich hindurchrutschen läßt, dh, ich gelange durch das Loch, das meine Arme in gymnastischer Imitation um meinen Körper herum bilden, um dort einen durchlässigen Informationsschirm aufzubauen, mitten in die Niederlande ca. zur Mitte des 18. Jahrhunderts: „Amsterdam wird mit Recht die Perle aller Städte in der Welt und der Sitz alles Reichthums genennet. Denn es scheinet nicht anders, als ob sich alles Geld und Gut alda versamlet habe, wie sie denn mehr in Banco haben soll, als das römische Aerarium jemals gehabt. So viel ist inzwischen gewiß, daß sie die allerberühmteste Kauf- und Handelsstadt in ganz Europa ist, wo allerley Völker aus allen Theilen der Welt zusammen kommen; wie sie denn bey nahe zwey derselben, nemlich Ost= und Westindien innen hat und ihren Reichthum daraus ziehet. Es kommen zum öftern bey etliche hundert Schiffe an und unterwellen liegen auf einmal mehr als 600. von allen Orten in dasigem Hafen. Zu mancher Zeit fahren wohl auch bey 300. Segel über die Südersee zugleich dahin, daß man alsdann fast sagen solte, es liege noch ein anders Amsterdam auf dem Wasser. (…) Der Boden, worauf die Stadt stehet, ist morastig; daher alle Gebäude auf eingerammelten langen eichenen Pfählen aufgeführt sind, weswegen das Fundament zu einem solchen Bau öfters, wo nicht ein mehrers, so doch wenigstens eben so viel, als das obere Gebäude selbst kostet. Die Stadt ist inwendig in allen Gassen mit einer ungemein grossen Anzahl schiffbarer Kanäle durchschnitten, worüber eine Menge Brücken gehen, welche, ob sie schon mehrentheils von Holz sind, dennoch ein solches Ansehen haben, als ob sie ein ganzes Wek rodren (?); man kan auf diesen Canälen mit Schiffen, die nur einen Mastbaum haben, allenthalben hinkommen, und auf= und abladen, indem gedachte Brücken also gemacht sind, daß, wenn ein Segelbaum oben ein wenig anstößt, sich ein Stück davon sogleich aufhebt, und wann derselbe durch ist, stracks wieder zufällt, welches die Bequemlichkeit des Handels, auch die Reinigkeit und Annehmlichkeit der Stadt befördert. Es steigt aber bey warmen und stillen Wetter ein stinkender Dampf davon auf, welcher noch schlimmer seyn würde, wenn nicht das Wasser durch zwey grosse Wassermühlen, welche beständig ein= und ausmahlen, und durch eine Roßmühle, in beständiger Bewegung erhalten würde; sie haben auch daher in den dunkeln Abendstunden und in den Nächten zufälliger Weise manchem Menschen das Leben gekostet, daher man an den Canälen und auf den Strassen Laternen angelegt hat, welche des abends angezündet werden.“


Stichworte:
 
 
 

Ein Kommentar zu “Amsterdam”

  1. Sabine
    10. Juli 2009 um 12:00

    Amsterdam ist eine sehr schöne Stadt…ich fahre sehr gern hin…Dieser Text gefällt mir wirklich sehr gut!
    Macht weiter so…
    Lieben Gruß
    Sabine

Kommentar abgeben: