Die Brücke von Remagen

„March 1945 – The Obercassel Bridge. In the final months of World War II, the armies of the Third Reich are in full retreat across the great moat that guards the heart of Germany – the river Rhine.“ Mit dieser kurzen poetischen Einführung beginnt der Hollywood-Film „The Bridge at Remagen“, gedreht in den übernatürlichen Farben der 60er, und mit ein paar großzügigen Schwenks auf das weltkulturerbeträchtige Mittelrheinpanorama: zu Elmer Bernsteins bolero-inspirierten Orchesterklängen dringen amerikanische Panzereinheiten wie am Schnürchen durchs schmale Tal, schleppen sich deutsche Flüchtlinge desorganisiert und mit letzter Kraft Richtung einzig verbliebener Planke über den Fluß. So schön ist diese Kulisse, daß sie ohne es zu wollen auf die Schauspieler abstrahlt, selbst noch wenn all das mittelalterliche Fachwerk („Bis Abend seid ihr in Meckenheim!“) von Panzergeschützen getroffen in sich zusammenfällt, ganze Straßenzüge in Staub aufgehen und der Film im Folgenden vornehmlich vom Kampfgeballer um die Ludendorff-Brücke geprägt wird. Was haben wir da nur für einen Landstrich!, bin ich geneigt auszurufen (Luftaufnahmen in Technicolor!), doch in diesem Fall ist weder der Rhein, noch die ihn ehmals überspannende Brücke kongruent mit sich selbst – denn gedreht wurden die Szenen in Davle an der Moldau in der ehemaligen CSSR. Die echte Brücke fiel 1945, wenige Tage nach ihrer legendären Eroberung, vor Überlastung zusammen und wurde nicht wieder neu errichtet. Ihre Türme ragen allerdings bis heute links und rechts des Rheins aus dem Erdreich und wirken, je nach Wetterlage, recht martialisch: wie abgetrennte und verbrannte Beinstümpfe kam mir in den Sinn, als ich sie vor Jahren mit einem Ausflugsschiff passierte, dunkel jedenfalls, abschreckend und aufs Übelste schicksalbehaftet, als sei ein Gestein/Gebein aus dem Reich der Fabeln und Märchen versehentlich in die Realwelt gerutscht. Es zuckte im Fluß, als hätte sich auf dem Grund ein riesiger grauer Fisch geräkelt, das Urtier, das im Laufe der rheinischen Besiedlung schon soviele Soldatenleichen geaast und nurmehr aufs Touristenerschrecken spezialisiert subtile Vibrationen sendet, sobald an der Oberfläche klischeeisierte Gedanken flottieren. Ich machte rasch ein Foto. Und dachte an den schattenbärtigen Angel (gespielt von Ben Gazzara), der im Film gern gegnerische Leichen fleddert und im Laufe der Brückeneroberung in den Fluß fällt, aus dem er am Ende seltsam verwundet als allamerikanischer Glückspilz wieder auftaucht, das Strahlen des Rheingolds im Gesicht.


Stichworte:
 
 
 

Kommentar abgeben: