Monatsarchiv für Januar 2009

 
 

Donauquelle

Die hübsch gefaßte Donauqualle, eine schöne Lau, für deutsche Verhältnisse beinahe antik, sagenhafte Schöpferin des unbeschreiblichen Blautopfblau, Kopf voll arschlanger Nesselfäden, fersenlanger Tentakeln, leicht besingbar, Suse und Meduse, mit den Jahren glycerin davongeschwemmt untern Wasserspiegeln. Schade, schade. Traditionsvereine pflegen ihr Andenken mittels heidnisch inspirierter Rituale besonders im Sommer am Rande abgelegener Baggerseen und vergleichbarer Lachen im südsüdwestdeutschen Raum.
„Verunreinigungen u. Beschädigungen der Anlage sowie das Fischen in der Quelle nach Gegenständen jeder Art, wird polizeilich verfolgt.“ (Fürstlich Fürstenbergische Liegenschaftsverwaltung)
Die Donauquelle, die offizielle wesenshelle Karstaufstoßquelle mit ihren blibbernden blabbernden Blubberblasen, säumen markige Sprüche, feist in Stein gemeißelt. Was dort hochsteigt aus dem Grund derer zu Fürstenberg, in einer Art sublimierten Volkskochtopfs, zwar nicht zuletzt weil die katholische Stadtkirche St. Johann sich in ihm spiegelnd Reines verheißt inmitten sektiererisch veranlagten Berg- und Waldchristentums: diese klare Suppe ergibt zunächst den unterirdisch abfließenden Donaubach, der sich am Rande des Schloßparks in einem heidnisch inspirierten Tempel der Brigach vereint, deren Zusammenfluß mit der Breg den eigentlichen Donauursprung markiert, nach anderer offizieller Rechnung (von denen es einige weitere gibt).
An der Quelle stehen und in ihren münzengefüllten Topf glotzen schafft Gefühlswallungen. Aus diesem ungetrübten Diamantwässerchen wächst dieselbe braune Donau, wie sie in Wien zu sehen ist oder in Budapest, die zickige weichherzige Rheinschwester, Tochter der Mutter Baar, Vater unbekannt, mit ihrem nibelungischen Ostverlauf eine ziemlich kräftige Mythenmaschine: doch hier in Donaueschingen werden in homöopathischen Dosen bereits die Wellen erzeugt, in denen im Flußverlauf Heutiges, Einstiges, Künftiges unwiderruflich vergeht, während es sich in religiöser Ekstase und natürlicher Logik einander auf Deibelkummnaus vermengt. Das ist groß, größer als die Touristenhorden, das hat bereits Sebastianus Munsterus begriffen, in präpauschaltouristischer Zeit und somit festgelegt in seiner Cosmographia, Beschreibung aller Lender, in welcher begriffen Aller völcker, Herrschafften, Stetten und namhafftiger flecken, herkommen: Sitten, gebreüch, ordnung, glauben, secten vnd hantierung, durch die gantze welt, vnd fürnemlich Teutscher nation. Was auch besunders in iedem landt gefunden, vnnd darin beschehen sey. Alles mit figuren vnd schönen landt taflen erklert, vnd für augen gestelt. Damit der geneigte weniger welt- und wandererfahrene Leser sich auch zuhaus in einer ruhigen Stunde in etwa eine Vorstellung von Gottes Wundern machen kann.

Ansichtskarten vom Rheinfall

Halte dein Herz, o Wanderer, fest in gewaltigen Händen,
Mir entstürzte, vor Lust zitternd, das meinige fast.
Rastlos donnernde Massen auf donnernde Massen geworfen,
Ohr und Auge, wohin retten sie sich im Tumult?
Wahrlich, den eigenen Wutschrei hörete nicht der Gigant hier,
Läg` er, vom Himmel gestürzt, unten am Felsen gekrümmt!
Rosse der Götter, im Schwung, eins über den Rücken des andern,
Stürmen herunter und streun silberne Mähnen umher;
Herrliche Leiber, unzählbare, folgen sich, nimmer dieselben,
Ewig dieselbigen -, wer wartet das Ende wohl aus?
Angst umzieht dir den Busen mit eins, und wie du es denkest –
Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb!

(Eduard Mörike)

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Es ist ein grausam Ding zu sehen. Dieser Fall heißt zu unseren Zeiten am Lauffen. Es wirrt das Wasser so es oben herab fallt, zu einn gantzen schaum, es steubt über sich gleich wie weißer rauch. Do mag kein Schiff herab kommen, anderst es zerfiel zu stucken. Es mögen auch keine Fisch die Höhe dieser Felsen übersteigen, wann sie noch so lange krumme zeen hätten, wie das Mörthier Rosmarus oder Mors genannt.

(Sebastian Münster)

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Hier ist eine Wasserhölle. Kein Schauspiel der Natur hat mich je so ergriffen. Meiner Sophie wankten die Kniee und sie erblaßte… Grauenvolles, doch seliges Staunen hielt uns wie bezaubert. Es war mir als fühlte ich unmittelbar das praesens numen. Mit dem Gedanken an die geoffenbarte Macht und Herrlichkeit Gottes wandelte mich die Empfindung seiner Allbarmherzigkeit und Liebe an. Es war mir als ginge die Herrlichkeit des Herrn vor mir vorüber, als müßte ich hinsinken auf`s Angesicht und ausrufen: Herr Herr Gott, barmherzig und gnädig!

(Jakob Michael Reinhold Lenz)

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volle shampoonade! faellt der schweizerrhein
durch die touristenschleuse mitten in geweitete
objektive. ganz natuerliche randale. echt recht
erschwinglich brausts & tosts & tolle blickwinkel

von ueberall aufm kaenzeli: am himmel wehen
schweizerkreuze, aufgeregt flattern eintrittsbillets
durch wacklige handkamerasequenzen, gehen
baden in der schlagsahne des betagten stroms

ueber beiden ufern aufgespannt schiebt so`n
doppelregenbogen dienst, grueszt militaerisch
vermarktbar ist der flecken allemal. in die wildnis
geschippte busladungen bewundern gottes

spaetwerk: mensch tausend kubik pro sekunde!
aufm parkplatz im gourmet imbiss wartet das
schnitzel danach. baeumt sich auf in der pfanne
nichts ist von dauer, steht auf den papierservietten

(stan lafleur)

Venus von Appenweier

Die computergestützte Regionalbahn taucht, von Karlsruhe kommend, in den Morgennebel der zugeschneiten Ortenau, Obstbaumkonturen, reifbewachsen, das Tal Weiß in Weiß, mit Premiere nachbearbeitet scheuert der Standbild-Himmel im Zweiminutentakt an schneebedeckten Feldern. Unschärfen, farblose Pixel, Deckweiß und Kälte, das Zugabteil in Maßen gefüllt mit badisch sprechenden Avataren. Die Venus von Appenweier, die bisweilen im Dreizehnuhrzug aufscheint und verfällt, ihre kräftigen Hüften, ihre rätselhafte Stimme, das fahle Haar und eine Erfahrung, die bis auf die Steinzeit zurückreicht: insgesamt eine Schönheit, die so schön ist, daß sie sich mit nichts vergleichen läßt, es gibt sie tatsächlich, ich habe sie nun gesehen und ihre Erscheinung wird mich nimmermehr loslassen. Dann die Damen aus Baden-Baden mit ihren gerenderten Visagen: professionell aufgeweichte slawische Wangen, polarfuchsbesetzte Schultern, schrille Hautfarben, Zweithaar, entsteigen sie den Zeitschriften auf ihren Schößen, leicht knittrige Geburten ihrer selbst. Ein paar Selfmade-Webmaster im regionaltypisch bodenständigen Gespräch über elektronische Mülltrennung. „Bruchener Meerretti? Bruchener Meerretti?“ tappt ein Gnom die Bankreihen entlang, Meerrettichrieb in den Handtellern, so ein süddeutscher Alberich von der Obst- und Gemüsefront, weiße Wurzelschärfe zieht übern Gang, draußen die eisigen Apfel- und Zwetschgenbäume lösen sich vom Grund, stellen sich schief, wie Sehnen gespannte Äste lassen die dürren kahlen Stämme schnallen und knallen und schneestäubend im Nebelschleier kreisen. Eine Landschaft und ihre Bewohner in Einklang. Der kanalisierte Rhein friert, läuft streckenweise rückwärts, sehr zäh, Eisgang eben, der Zug knirscht und quietscht auf den Gleisen, kräftiges Harschen gekörnten Schnees, irgendeine Murg, die Fische tieffriert in stufenlosem Verfahren, hier in der Region erfunden und in Stuttgart patentiert. Der Schwarzwald und die oberrheinische Tiefebene spielen einmal mehr Inversionswetterlage. Das ist Heimat, das ist mein wunderbares Badnerland. Weiter oben in Haslach, Hausach und solchen Orten bricht die Nebelwand ab, wird das Schwarz der Krähen wieder sichtbar. In Hornberg steht eine der größten begehbaren Kloschüsseln der Welt. Schüsse erklingen. Nebst Kuckucksuhren. Rauschende Wasserfälle. Premium Schinkenspeck. Diese Gegend gibt es nur noch in Computerspielen, wer sie betritt, bekommt einen Chip implantiert, der alte Zeiten wachruft, dunkle Tannen, heideggersches Sein in idyllischen, bis auf den letzten Nanometer erfassten Schluchten voller Schrate und Holzbewohner, der Talblick bildet ein spitzwinkliges Dreieck, gesäumt von Regalen mit Echtnatur in Konservendosen, 425 ml zu 0,99 Euro und dem dazu passenden Schnaps, Wässerle genannt, das im Winter die Gedanken frei hält, frei, frei, frei, niemand kann sie erraten, sie fliehen und eilen vorbei, huschhusch, wie menschliche Schatten.

Unter der Mülheimer Brücke

Die ablaufenden Wellen, angefroren im Kies liegt
ein toter Weihnachtsmann. Perfekt nach Lehrbuch
der Schwingenschlag des Kormorans, tropft ihm
das Öl ausm Gefieder, die Schwimmflossen wolln
sich nicht lösen von der scheißkalten Wasserhaut
(s. Fotostrecke auf: groszerschwarzervogel.com)
Unter der Mülheimer Brücke stiefelt Heines geistes-
abwesender Geist, schlägt sich durch, grüßt nicht
äugt, unter taumelnden Möwenmobilés, schnee-
verweht quillt zwischen den Ufern der Strom, der
seine Farbe verschweigt, einzig klare Aussage im
Schönwinterwetterschwindel lärmt dat hillige Kölle
von seitwärts und von oben fadet die Atmosfäre
Blau in Blau in Blau in Blau in Blau in Blau in Blau

Duisburg Hauptbahnhof

Uns ist in alten maeren wunders vil geseit, hochmoderne Verwunderung (d.h. aufheiternde Verwirrung) schafft wiederum die einzigartige Vitrinenlandschaft in der kränklich beleuchteten Flucht des Duisburger Hauptbahnhofs. Wer per Bahn ins ehemals Siegfriedsche Xanten reisen möchte, bekommt in Duisburg Umsteigen aufgebrummt. Das ist nunmal so. Das hat auch mit Herrn Mehdorn nichts zu tun. Xanten ist abseits geraten, seit die Römer, die Siegmunds, Sieglindes und Siegfrieds, ja selbst der Rhein von dort abgezogen sind. Es fällt also Wartezeit in Duisburg an. Die zu nutzen empfehle ich eine eingehende Besichtigung der Innenwände des maroden Bahnhofsgebäudes. Auf den ersten Blick kaum ersichtlich treiben sie nämlich einen Heiden-Schabernack mit den Wahrnehmensweisen der Passanten. Das konsumbudenartige Ambiente der in die Wände eingelassenen Vitrinen weist vorderhand auf osteuropäischen Einfluß (Budapester U-Bahn, Zentralbahnhof Kattowitz), bietet Wurzelreste längst abgestorbener Kulturstränge (70er Jahre-Ruhrgebiets-Selbstverständnis) und hinterfotzig-infiltrative Installationen aus dem topaktuellen Medienkunstgenre, ohne letztlich zu verraten, welcher Vitrineninhalt welcher Absicht dient. Das wirkt zunächst einmal abstoßend, kehrt sich in seiner Liebe zum deplazierten Detail jedoch zügig in nichts minder als vertrackte Evokation entzückten Staunens. Seit Jahrzehnten vernachlässigte Werbeflächen für namenlose Innenausstatter, bei denen die Tapeten von den Wänden blättern. Design-Toiletten für den Niederrhein. Antikapitalistisches Schmunzeln auslösender Kunstschnee auf fingierten Weihnachtswünschen führender westlicher Industrie- und Bankenbosse. Dazwischen durchgeknallte Installationen vorderorientalischer Lifestyle-Ästhetik in verwaschenen Leuchtfarben. Diese pseudomuseale Verschiebung zwischen artifiziellen und realen Schauwelten, zwischen der Aufforderung zu kaufen und der Aufforderung nachzudenken (am besten jedoch beides!), zwischen Raum und Zeit, und das hüben wie drüben mit krassen gestalterischen Mitteln geht ordentlich auf die Pedipalpen des Betrachters, der sich (mittels seines von den Vitrinen gesteuerten Willens zum Betrachten ebenjener) unversehens in eine kontraktive Zeitzone begibt: der Anschlußzug nach Xanten kommt plötzlich schneller als erhofft, beinah geht er sogar flöten, die Welt dreht sich ferne ächzend einmal kurz auf links, in einem ruckartigen unsichtbaren Schub, fast als wäre nichts geschehen, das Ächzen könnte auch das Bremsgeräusch eines Zuges gewesen sein, der nun in die Weite der Landschaft hinausgleitet. Adieu, Duisburg Hauptbahnhof, adieu!

Weckschnapp

Guantánamo-Haftlager op Kölsch: Da steht ein Trum, da geht eine grausige Sage, Trum und Sage schließen sich auf den ersten Blick nicht völlig aus, fertig ist die Sehenswürdigkeit. Der Trum – ein mittelprächtiges Konstrukt aus übereinandergeschichteten Steinen, nicht selten eine frisch erbaute Ruine, die beim kritischen Betrachter opulente Kleinejungenwünsche voll wohlgesetzter, vor allem durchschlagender Sprengladungen provoziert. Der Fall Weckschnapp verhält sich ähnlich, das Türmchen am Kölner Rheinufer allerdings gefällt im Stadtbild, es gälte anderes in die Luft zu jagen. Das Türmchen steht harmlos da. Wie der Nachbar, der immer vor der Tür steht, weil er nichts besseres zu tun findet. Die Arbeitslosigkeit. Die modernen Gesetze, die ihm das Socialising erschweren, in heiliger Allianz mit den Cappuccinopreisen. Ein von grundauf harmloser Kerl, aber seit ihm nachgesagt wird, er zerfleische nachts heimlich lebende Kaninchen mit den Zähnen, schauen ihn die Leute vorsichtiger an, grüßen zurückhaltender, respektvoller. Dem Türmchen am Rheinufer wird nachgesagt, es habe einst für eine der perfidesten Todeszellen der katholischen Welt herhalten müssen. Verurteilte wurden in den Turm geworfen und dort in Ruhe gelassen, bis ihnen nach geraumer Anpassung an diese Sorte Isohaft der Hunger an den Verstand ging. Exakt der Zeitpunkt, per Schnur und unter animatorischem Gewackel einen Wecken in unerreichbarer Höhe über des Delinquenten Schädel hinabzulassen. Der Hungerleider springt und schnappt erfolglos nach dem Weck, bis er durch eine Falltür in der Mitte des Turmverlieses stürzt, sein Fall führt zurück zu Vater-Rhein-in-seiner-Güte, im Verlauf des Fallwegs sind Klingen angebracht, die den Stürzenden in fischgerechte Portionen stückeln. So sprechen wir heute vom Mittelalter.

Riehler Ufer

Leere Videohülle, Slaughter II, niederländische Version, angeschwemmt Höhe Riehler Heimstätten, nebst Küchenabfällen, parasitäre Pilze (Hirnbefall), Saurierstapfen (Fafnirs return), Rottweilerstapfen, Goethestapfen, überblendete Fischaugen, Millionen von denen (montierte Groppenblicke), sternklare Himmel, Rösten im Blitz-Delta schrecklicher Gewitternächte, Kinderträume, Wetter wechselt im Millisekundentakt, komprimierte Zeitalter, tiefschwarze Ewigkeit als farbloses randloses Loch, ach was, letztlich doch nur reparable Schäden an der Synapsenverschalung, lückenhaftes Eindringen sinnleerer Neutrinos, für bloße Nerven ist das alles garnicht wahrnehmbar, Rundumsicht, 16:9-Format, unsere besten Jahre im Internet. Infolgedessen (immer wenn du grad wegguckst): Außerirdische hangeln sich an elektrischen Schlingleinen herab, potenzierte Helices, materialisieren als Wegleuchten, Schummern, Wummern, Brummen, pro Stern da draußen krähts sonstwoher. Yeah! Cruising the river: “Ich hatte den Rhein auf einem Tagesausflug im Winter trotzdem, und der Fluss war gerade so schön wie ich in Erinnerung. Die meisten der Passagiere erhöhten sich im oberen Deck. Der Morgen konnte nicht mehr entspannen, und ich liebte mündliche Geschichten an den alten Festungen.” Weckschnapp, jaja. Ausgeglichene Fettärsche beim Landgang. Ein Lüftchen weht durch die Schneise, greift in lichtes Haar. Im Weißlicht blinkende Schuppen. Sublimierter Fliegeralarm. Das Wandern der Domtürme auf verspiegelten Sonnenbrillen. “Was kostet eine Loreley?” Soviele leere Hüllen und außer Nippes nix reinzutun. Egal, ganz egal. Das wahre Souvenir ist immer ein Mensch: Zwei steifgefrorene Frühlingsboten (”Bis daheeme sindse jewiss schon völlich uffjetaut”). Plus Prachtbildband: Der Rhein wird ca 25 Kilometer südlich von Köln in einem auch architektonisch beachtlichen Walzwerk produziert. Das Hauptprodukt wird nach Westen hin ausgeschüttet und wirft ordentlich Dividende ab. Die Deutschen haben das teilverstaatlicht und ihre guten Ingenieure. Sogar Schlacken werden als Viehfutter (fürs Hausschwein) vertrieben und bringen ebenfalls etwas ein. Das regionale Schwein kommt, nachdem es sich unzählige Male multipliziert hat, auf den Tisch. Etwas seltsam und daher nur am Rande: Die jungen Rheinländer bewerfen sich zu Neujahr mit naßgepökelten Zungen, eine Tradition, deren ursprüngliche Bedeutung nicht bekannt ist, die aber umso hartnäckiger aufrecht erhalten wird. In dieser Jahreszeit ist es gefährlich die Mittelrheingegend zu bereisen, der Hirnkern wird zerstört, es gelingen sehr wenige Aufnahmen. Schöner Kontrast wiederum: Im Dämmer des Spätnachmittags tröten Wildgänse, wahlweise in Mono, Stereo und neuerdings auch 5.1-Surround, sie verlassen sich auf innere Notwendigkeiten, ihre Routen können mit Ultraleichtflugzeugen nachvollzogen werden. Der sich windende Silberstreif dort unten ist als Weltkulturerbe klassifiziert, dient zur Orientierung und bietet Nahrung für die harten Wintermonate. Zusätzliche touristische Hinweise: Lassen Sie sich völlig gehen und schießen Sie auf die Brut am Ufer! 25 Punkte für jeden Erwachsenen, 50 Punkte für jedes Kind! Hunde 100 Punkte. Erhalten Sie die Öko-Balance aufrecht. Verhindern Sie übermäßige Ausbreitung und Kommunikation der Rheinlinge! Besetzen Sie ein schönes Stück! Die Villa in den Weinbergen. Mit einem echten Turner überm offenen Kamin. Noch besser mit Domblick. Aber Vorsicht: In den Kasematten hocken Ihre betrunkenen Feinde und zielen auf den Sinn des Lebens: Ein feuriges Glas grünen Weins, gottgetunkt. Eins zwei eins zwei, Stiefelstapfen klingt im Uferkies, jahrhundertelang, aufgefangen, um den Hals gebunden, als grauwertiges Granulat, Rauschen auf Basis gedämmter Zischlaute, es ist diese traurige, zugleich wundersame Melodie, welche die Epochen überdauert und immer wieder von Neuem erstaunt: “Angedockt in Köln neben der Hohenzollern-Brücke in der Mitte-Nachmittag, gingen wir beim Rauschen die kurze Entfernung von dem Schiff auf die Kathedrale mit einem lokalen Führer. Danach in einen Kölsch-Biersalon. Das blasse Bier war perfekt. Unsere Zeit in Köln war zu kurz, und wir segelten nach Amsterdam nach dem Abendessen.”