Xanten, Xanten, Xanten

Von Xanten zu sprechen geht kaum ohne die zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Städtchens zu erwähnen. Tatsächlich sind Attraktionen unterschiedlichster Größe, Gestalt, Sinnhaftigkeit und Echtheit in Xanten omnipräsent. Oft genügt ein einziger Blick um unverhofft eine knappe Handvoll von ihnen zu erfassen. Dann beginnt das mühsame Einprägen. Xanten anzuschauen vermittelt ein wenig die Stimmung aus Rudi Carrells alter Fernsehsendung „Am laufenden Band“, nur statischer und noch ein Stückchen weiter aus der Zeit gehauen. Verbunden sind die Attraktionen mittels ins Pflaster eingelassener Fußabdrücke mehr oder minder bekannter Personen, die vermitteln sollen, daß Hinz und Kunz sich ebenfalls für Xanten interessierten. Innerhalb der Stadtmauern, in seinem absoluten Zentrum, ist Xanten in seiner ganzen Art von ähnlichen Ortschaften wie z.B. Zons nur im Detail unterscheidbar. Wo es in Zons einen Schweinebrunnen gibt, gibt’s in Xanten eben einen Schweineturm. Und wo Zons keine rechte Windmühle zu bieten hat, bietet Xanten zum Ausgleich derer zwei, klitternd benannt nach Siegfried und Kriemhild. Etc etc. Doch bei aller Verwirrung und geschichtlicher Supraorientierung, zurück geht es in Xanten, ob man will oder nicht, immer zur Tourist Information, sie ist das mathematische Zentrum des gesamten Attraktionsgefüges, nicht wenige Attraktionen werden hier erst zu solchen gemacht und ganz gleich, wohin sich der Xanten-Besucher wendet, früher oder später steht er wieder vor der Tür mit dem einquadrateten I obendran. Ja, wirklich alle Straßen Xantens führen zur Tourist Information und das macht Xanten dann doch fast einmalig. Die Tourist Information vollzieht nämlich heimlich die Bewegungen der Xanten-Touristen mit und bietet unaufdringlich ihre Front in Sichtweite, sobald dem Besucher auch nur die Andeutung eines Fragezeichens aus dem Schädel wächst. So wird Wissensdurst butterweich abgefedert. Drinnen in der Tourist Information sitzen freundliche und höchst kompetente Damen, die alles über Xantens Attraktionen wissen, sie wissen sogar noch viel mehr und erklären notfalls auch diejenigen Sehenswürdigkeiten, die der Besucher übersehen, vergessen oder nicht richtig verstanden hat. Weisen darüber hinaus auf Xantener Sehenswürdigkeiten hin, die garnicht in Xanten selber zu sehen sind, sondern in Berlin oder vielleicht Amerika. Erzählen bereitwillig die Anekdote vom englischen Touristen, der Xanten für ein spezifisches Weihnachtsgebäck hielt. Erzählen verständnisvoll die Anekdote vom belgischen Ehepaar, das seinen Sohn Xanten nannte. Geben unumwunden zu, daß ihnen Xanten auch mal zum Hals raushängt. Und wer`s nicht glaubt, muß selber hin.


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Ein Kommentar zu “Xanten, Xanten, Xanten”

  1. stan lafleur
    25. Januar 2009 um 16:04

    Gestern Abend las ich im Kölner Raketenclub aus Rheinsein – vor und mit, wie sich herausstellte, ausgefuchsten Xanten- und Zonskennern. Eine Dame aus dem Publikum machte mich darauf aufmerksam, daß Zons durchaus eine Windmühle zu bieten habe. Die Dame hat Recht. Darum sei die Textpassage: “Und wo Zons keine rechte Windmühle zu bieten hat, bietet Xanten zum Ausgleich derer zwei (…)” künftig folgendermaßen zu lesen: “Und wo Zons nur eine rechte Windmühle zu bieten hat, bietet Xanten zum Ausgleich derer zwei (…)”

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